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	<title>Delta Orionis &#187; Andere Texte</title>
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		<title>Hochmut kommt vor dem Fall</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Mar 2008 20:58:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JR</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der vierte und letzte Feuilleton f&#252;r den Deutsch-Grundkurs (1998): Bekenntnisse eines Meeresgottes. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="infostrip">Feuilleton von Johannes Ruthenberg, <a href="#anmerkungen" >Anmerkungen</a> und <a href="#copyright" >Copyright-Hinweise</a> am Ende der Seite</p>
<p>Ich werde mich zuerst einmal vorstellen. Ich bin ein Gott. Nicht <em>der</em> Gott, sondern ein Gott, der Gott des Meeres, um genauer zu sein. Man nennt mich Poseidon.</p>
<p>Ich bin ein ziemlich besch&#228;ftigter Gott, immer wieder muss ich den Menschen einen D&#228;mpfer verpassen. Es macht schon Spa&#223;, einen Deppen wie Odysseus neun Jahre lang im Kreis fahren zu lassen. Und letztlich geht nichts &#252;ber einen richtig sch&#246;nen Hurrikan. Doch auch als Gott hat man Freizeit, und die muss man ja irgendwie verbringen. Zum Beispiel in New York. Ich mag New York, weil es niemanden zu k&#252;mmern scheint, wenn ich mit Dreizack und Muscheln in den Haaren umher laufe.</p>
<p>Ich hatte also f&#252;r mich und Athene eine Woche im Grand Hotel gebucht, und schlie&#223;lich lie&#223; ich mich von ihr sogar zu einem Kinobesuch &#252;berreden. Es lief gerade &#8222;Titanic&#8220;. Der Titel weckte in mir Erinnerungen, doch hatte der Film mit diesen Erinnerungen nicht viel zu tun. Einigerma&#223;en erstaunt musste ich feststellen, dass sich auf der Erde um die Titanic eine richtige Legende gebildet hatte. Aus dem simplen Stahlkahn, den ich in Erinnerung hatte, war in der Vorstellung der Menschen ein Wunderschiff geworden, das es wert war, mit einem 200-Millionen-Dollar-Budget verfilmt zu werden. Das ist so nat&#252;rlich nicht richtig, deshalb folgt hier jetzt der Enth&#252;llungsbericht &#8222;Titanic &#8211; Was wirklich geschah&#8220;:</p>
<p>Sp&#228;testens seit die Menschen die Seefahrt beherrschen, wurde meine Vorliebe f&#252;r St&#252;rme f&#252;r sie richtig gef&#228;hrlich. Da ist es halt schon mal passiert, dass ein Schiff in einem Sturm mit Mann und Maus unterging. Eigentlich ist es sogar recht h&#228;ufig passiert.</p>
<p>In jener schicksalhaften April-Nacht im Jahre 1912 entdeckte ich also mitten auf dem Atlantik diesen Stahlkahn und konnte einfach nicht widerstehen.</p>
<p>Ich kam gerade aus Florida und hatte eigentlich erst mal die Nase voll von St&#252;rmen. Aber diesen Kahn schaffe ich auch so, dachte ich mir und produzierte eine starke Str&#246;mung, die einige der polaren Eisschollen durch die Schifffahrtsroute trieb. Wie die Menschen auf einen derart einfachen Trick hereinfallen konnten, ist mir bis heute ein R&#228;tsel, vielleicht waren sie zu sehr mit der Bewirtung der G&#228;ste besch&#228;ftigt, um mal einen Blick auf das Meer vor ihnen zu werfen.</p>
<p>Jedenfalls rammte das Schiff tats&#228;chlich einen Eisberg. Bis sie kapiert hatten, dass ihr Schiff sank, war es f&#252;r die meisten zu sp&#228;t. Und weil irgendwer das Ger&#252;cht verbreitet hatte, dieses Schiff sei unsinkbar, hatte man bei weitem nicht genug Rettungsboote an Bord.</p>
<p>Wahrscheinlich h&#228;tte ich mir nicht einmal den Namen des Schiffes gemerkt, dazu ist meine j&#228;hrliche Versenkungsrate viel zu hoch, aber mein Bruder Hades ist sehr pingelig, was solche Sachen angeht. Bei Lieferungen &#252;ber 100 Personen will er immer Todeszeit und -ursache wissen, f&#252;r die Akten. &#220;berhaupt habe ich mit ihm in letzter Zeit ziemlichen &#196;rger. Hades versucht st&#228;ndig, mich zu bremsen. Er f&#252;rchtet wohl, dass die Exklusivit&#228;t seiner Unterwelt leidet, wenn dort zu viele Wasserleichen umherlaufen. St&#228;ndig sagt er mir, dass er nur begrenzte Unterbringungsm&#246;glichkeiten f&#252;r derartige Todesf&#228;lle h&#228;tte, und dass ich mich doch bitte etwas zur&#252;ckhalten solle.</p>
<p>Doch trotz all dieses &#196;rgers hinter den Kulissen war es eigentlich nur ein ganz normales Schiffsungl&#252;ck, wie es mir alle paar Tage passiert, nur einige Nummern gr&#246;&#223;er. Und falls damals jemand ernsthaft geglaubt hat, die Titanic w&#228;re unsinkbar, habe ich ihn ja eines besseren belehrt. Es muss wohl ein Mensch mit Sinn f&#252;r Dramatik gewesen sein, der die Geschichte des &#8222;unsinkbaren&#8220; Schiffes derart aufbauschte. Bedenklich ist nur, dass die Menschen anscheinend wirklich an all die M&#228;rchen &#252;ber die Titanic glauben.</p>
<p>Im Zuge des Films bricht ja eine richtige Titanicomanie auf der Erde los. Ich habe es in unserer Zeitung, dem &#8218;Olympic Mirror&#8216;, verfolgt. Eine Horde von gesch&#228;ftst&#252;chtigen Verr&#252;ckten ist sogar auf die Idee gekommen, eine neue Titanic zu bauen. Wie ich die Menschen kenne, werden sie das wohl wirklich tun. Und mit der gleichen Sicherheit sage ich Ihnen: Auch auf die Gefahr hin, eine neue Legende zu erschaffen, die Jungfernfahrt dieses Titanic-Nachbaus ist in meiner Sturmplanung schon ber&#252;cksichtigt.</p>
<div class="infobox">
<div class="infobox_inner">
<h3 id="anmerkungen">Anmerkungen</h3>
<p>Geschrieben: Mai 1998, W&#246;rter: 656</p>
<p>Ver&#246;ffentlicht: Penner 37 (Juni-Juli 1998), Sch&#252;lerzeitung des <a href="http://www.jahngymnasium.de/" class="liexternal">Jahngymnasiums</a></p>
<p>Dieser Feuilleton entstand ebenfalls f&#252;r den Deutsch-Grundkurs der 11. Klasse. Wie in <a href="http://johannes-ruthenberg.de/das-universum-vor-gericht" >zwei</a> <a href="http://johannes-ruthenberg.de/ruhe-in-frieden" >fr&#252;heren</a> Feuilleton-Versuchen geht es um das Thema Titanic. Der Trubel um diesen Film ging mir damals ganz sch&#246;n auf den Keks, was sich hier niederschl&#228;gt. Ich habe den Text x-mal umgeschrieben, bis er meinem Lehrer zusagte, wobei er sich ziemlich weit von meiner Grundidee entfernt hat.</p>
<h3 id="copyright">Copyright-Hinweis</h3>
<p>Dieser Text ist mein geistiges Eigentum. Ihr d&#252;rft ihn gerne speichern, ausdrucken und weitergeben, solange immer mein Name und die Adresse dieser Webseite dabeistehen. Bitte ver&#246;ffentlicht den Text jedoch nicht auf anderen Internet-Seiten oder in gedruckter Form ohne mein Einverst&#228;ndnis. Und es leuchtet sicher ein, dass ich keinen Spa&#223; verstehe, wenn ihr den Text als euren eigenen ausgebt.</p>
</div>
</div>
                <p style="border-top: 1px solid #999999; padding-top: 1em;"><small>Soweit nicht anders angegeben: &copy; Johannes Ruthenberg. Lesen erwünscht, Zitieren erlaubt, Übernahme des kompletten Textes oder Einbinden des Feeds in andere Webseiten nicht gestattet! Für mehr Infos dazu siehe <a href="http://johannes-ruthenberg.de/infos">http://johannes-ruthenberg.de/infos</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>MIB</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Mar 2008 18:59:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JR</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Der dritte Feuilleton, der vor langer Zeit f&#252;r den Deutsch-Grundkurs entstand (1998): Die Au&#223;erirdischen kommen! [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="infostrip">Feuilleton von Johannes Ruthenberg, <a href="#anmerkungen" >Anmerkungen</a> und <a href="#copyright" >Copyright-Hinweise</a> am Ende der Seite</p>
<p>Als ich letzte Woche aus dem Urlaub zur&#252;ckkam, fiel mir sofort die kreisrunde, verbrannte Stelle im Garten auf. Gleich danach stach mir die Menschenmenge ins Auge, die sich auf meinem Rasen versammelt hatte. Ich n&#228;herte mich ihnen vorsichtig und erhielt auf meine Frage die Auskunft, dass sie hier auf die R&#252;ckkehr der Au&#223;erirdischen warten w&#252;rden. Welcher Au&#223;erirdischen? Na die, die mit ihrem UFO diese Abdr&#252;cke hinterlassen hatten. Nachdem die Dinge soweit gekl&#228;rt waren, ging ich erst einmal hinein.</p>
<p>Am Nachmittag, als die UFO-Gl&#228;ubigen drau&#223;en anfingen Lieder zu singen, um die Au&#223;erirdischen anzulocken, begann ich ernsthaft zu &#252;berlegen, was ich gegen sie unternehmen k&#246;nnte. Ich rief schlie&#223;lich unser Lokalblatt an, weil ich dachte, dass es die Leute vielleicht zur Vernunft bringen k&#246;nnte, wenn ein Reporter ihnen best&#228;tigt, dass UFOs niemals so kleine Abdr&#252;cke hinterlassen w&#252;rden. Man versprach mir, binnen zwei Stunden jemanden zu schicken.</p>
<p>Kurze Zeit sp&#228;ter kam dann wirklich der versprochene Reporter. Mit seinem absolut unvoreingenommenen Sachverstand versicherte er mir, dass es sich bei meinem verbrannten Rasen zweifelsfrei um den stummen Zeugen einer n&#228;chtlichen UFO-Begegnung handele. Er versprach, ein paar Zeilen f&#252;r seine Zeitung zu schreiben, dann verschwand er. Eine knappe Stunde sp&#228;ter tauchte er wieder auf, diesmal trug er ein &#8222;Area 51&#8243;-T-Shirt und gesellte sich zu der restlichen Meute.</p>
<p>Gegen 19 Uhr begann die Menge sich zu zerstreuen, sie gingen tats&#228;chlich zu ihren Autos. Ich begann mir schon Hoffnungen zu machen, doch ich wurde bitter entt&#228;uscht: Sie waren nur ihre Zelte holen gegangen. Kurz darauf kamen zwei von ihnen und fragten, ob sie meine Toilette benutzen d&#252;rften. Nat&#252;rlich lehnte ich diesen Schmarotzern ihre unversch&#228;mte Bitte rundweg ab. Doch als ich dann ihre flehenden Gesichter sah, ihr Betteln und das Klingeln von Geld in ihren Taschen h&#246;rte, lie&#223; ich mich erweichen. Seitdem steht vor der T&#252;r meiner Toilette eine Sammelb&#252;chse.</p>
<p>Am n&#228;chsten Morgen prangte ein Bild meines Rasens auf der Titelseite. &#8222;Die Au&#223;erirdischen kommen!&#8220; stand in gro&#223;en Lettern darunter. Der Verfasser, kein anderer als der gestrige Reporter, brachte die Landung der Au&#223;erirdischen mit einem Entf&#252;hrungsfall in einer 250 km entfernten Stadt in Verbindung. Offenbar wusste er nicht, dass eben jenes vermeintliche Entf&#252;hrungsopfer am Strand von Mallorca gesichtet worden war. Der Artikel gipfelte in der Aufforderung an die US-Regierung, endlich die ganze Wahrheit &#252;ber Roswell bekannt zu geben.</p>
<p>Als ich die Haust&#252;r &#246;ffnete, um nach den Campern zu sehen, starrte ich in mindestens f&#252;nf Kameras. Mikrofone reckten sich mir entgegen und eifrige Reporter schrien mir ihre Fragen zu: &#8222;Empfinden Sie es als Ehre, dass die Aliens gerade bei Ihnen gelandet sind?&#8220; &#8211; &#8222;Wie lange haben Sie schon Kontakt zu den Au&#223;erirdischen?&#8220; &#8211; &#8222;Erz&#228;hlen Sie uns etwas &#252;ber deren Heimatplaneten! Sie waren doch schon dort, oder?&#8220;</p>
<p>Ich versuchte ihnen zu erkl&#228;ren, dass es keine Au&#223;erirdischen g&#228;be, jedenfalls keine gr&#252;nen M&#228;nnchen in Fliegenden Untertassen, doch sie wollten mir nicht glauben. Also begann ich zu erz&#228;hlen, wie ich damals bei Experimenten mit meinem neuen Videorecorder pl&#246;tzlich Kontakt zu ihnen bekommen hatte. Sie hatten mich schon oft besucht, und schlie&#223;lich war ich in Wirklichkeit die letzten zwei Wochen ja auch nicht in London, sondern auf Hafnoorsk, ihrem Planeten, gewesen. Mit dieser Geschichte gaben sie sich zufrieden und zogen ab.</p>
<p>Im Laufe des Tages kamen immer mehr von den UFO-Gl&#228;ubigen. Zum Gl&#252;ck f&#252;r sie steht mein Haus gleich neben einem gro&#223;en, brach liegenden Gel&#228;nde, dass jetzt immer mehr zum Campingplatz mutierte. Ich war nur m&#228;&#223;ig &#252;berrascht, als ich mich nachmittags im Fernsehen erblickte. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, was nun begann. Noch am gleichen Abend besuchten mich drei Besitzer von Imbissbuden und fragten, ob sie ihre Wagen hier auf dem Gel&#228;nde parken d&#252;rften. Gegen eine angemessene Standgeb&#252;hr nat&#252;rlich. In einem Anfall von Gro&#223;z&#252;gigkeit gab ich ihnen die Erlaubnis.</p>
<p>Gleich danach klingelte es wieder. Diesmal war es ein Mann, der f&#252;r eine geringe Provision als mein Manager arbeiten wollte. Er meinte, ich br&#228;uchte unbedingt jemanden, der das Gesch&#228;ft ein bisschen ankurbeln w&#252;rde, und er h&#228;tte als ehemaliger Manager der Vulkan-Werften damit reichlich Erfahrung. Auch hier lie&#223; ich mich &#252;berreden. Dann ging es Schlag auf Schlag. Als ich am n&#228;chsten Morgen aufwachte, war ich der Besitzer des benachbarten Gel&#228;ndes. Mein Manager hatte die M&#228;nner, die dort einen Souvenirladen errichten sollten, gleich mitgebracht. Die Sache begann, mir sympathisch zu werden, sp&#228;testens seit gestern Mittag Chris Carter anrief und mir die Rechte f&#252;r meine Geschichte abkaufte. Er will daraus den n&#228;chsten X-Files-Kinofilm machen.</p>
<p>Heute morgen feierte unser Laden Er&#246;ffnung. Das Gesch&#228;ft l&#228;uft gut, am begehrtesten sind die Schwarzwei&#223;-Fotografien der betreffenden Rasenstelle.</p>
<p>Mittlerweile denke ich dar&#252;ber nach, einige Videokameras aufzustellen, und dann Originalvideos der UFO-Landung zu verkaufen. Ich habe schon einen alten Science-Fiction-Streifen aus den 50gern entdeckt, in dem ein UFO vor einem Haus landet, dass meinem zum Verwechseln &#228;hnelt.</p>
<p>Nerv&#246;s machen mich nur die beiden schwarz-gekleideten M&#228;nner, die vorhin um mein Haus schlichen. Ich habe f&#252;r einen Augenblick wirklich &#252;berlegt, hinauszugehen und den Leuten die Wahrheit zu erz&#228;hlen. W&#228;hrend ich in London war, wollte ich rufen, hat meine Schwester hier eine Grillparty gefeiert, mit Lagerfeuer und was so dazugeh&#246;rt. Gl&#252;cklicherweise hat mich ein Anruf von Harald Schmidt von diesem verh&#228;ngnisvollen Gedanken abgebracht. Ich muss jetzt sofort los, damit ich mein Flugzeug noch erwische und heute Abend in seiner Show life und in Farbe die Wahrheit &#252;ber meine UFO-Begegnungen berichten kann.</p>
<p>Schalten Sie ein!</p>
<div class="infobox">
<div class="infobox_inner">
<h3 id="anmerkungen">Anmerkungen</h3>
<p>Geschrieben: 29. Apr 1998, W&#246;rter: 876</p>
<p>Dieser Feuilleton entstand f&#252;r den Deutsch-Grundkurs der 11. Klasse. Nach den vielen Titanic-Texten wollte ich noch mal was anderes probieren, und das Ergebnis gef&#228;llt mir immer noch ganz gut.</p>
<h3 id="copyright">Copyright-Hinweis</h3>
<p>Dieser Text ist mein geistiges Eigentum. Ihr d&#252;rft ihn gerne speichern, ausdrucken und weitergeben, solange immer mein Name und die Adresse dieser Webseite dabeistehen. Bitte ver&#246;ffentlicht den Text jedoch nicht auf anderen Internet-Seiten oder in gedruckter Form ohne mein Einverst&#228;ndnis. Und es leuchtet sicher ein, dass ich keinen Spa&#223; verstehe, wenn ihr den Text als euren eigenen ausgebt.</p>
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                <p style="border-top: 1px solid #999999; padding-top: 1em;"><small>Soweit nicht anders angegeben: &copy; Johannes Ruthenberg. Lesen erwünscht, Zitieren erlaubt, Übernahme des kompletten Textes oder Einbinden des Feeds in andere Webseiten nicht gestattet! Für mehr Infos dazu siehe <a href="http://johannes-ruthenberg.de/infos">http://johannes-ruthenberg.de/infos</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ruhe in Frieden</title>
		<link>http://johannes-ruthenberg.de/ruhe-in-frieden</link>
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		<pubDate>Sun, 09 Mar 2008 20:23:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JR</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Der zweite Feuilleton zum Thema Titanic (1998): Der ganze Trubel aus der Perspektive des Schiffes erz&#228;hlt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="infostrip">Feuilleton von Johannes Ruthenberg, <a href="#anmerkungen" >Anmerkungen</a> und <a href="#copyright" >Copyright-Hinweise</a> am Ende der Seite</p>
<p>Mein Leben begann wie das eines ganz normalen Schiffes &#8211; in einer Werft. Ich habe nicht mehr viele Erinnerungen an diese Zeit, aber ich glaube, mein Zusammenbau dauerte ziemlich lange, ich war ja auch viel gr&#246;&#223;er als die anderen Schiffe der Werft. Dass ich anders war als der Rest der Schiffe, erfuhr ich mit der Zeit aus den Gespr&#228;chen der Dockarbeiter. Ja, ich war anders, ich war etwas v&#246;llig neues, denn ich war unsinkbar. Warum das so war, habe ich aber nicht erfahren. Einige Arbeiter murmelten etwas von speziellen Kammern in meinem Rumpf, oder so, aber die meisten wussten es wohl selber nicht.</p>
<p>Anfangs &#252;berkam mich ein richtiges Hochgef&#252;hl, ich war das erste unsinkbare Schiff der Welt. Doch in den ruhigen Tagen, als nur noch meine Inneneinrichtung vervollst&#228;ndigt wurde, da machte ich mir schon meine Gedanken, wie es denn sein kann, dass ein Schiff unsinkbar sein soll. Schlie&#223;lich war ich doch von den gleichen Leuten gebaut worden, die auch alle anderen Schiffe gebaut hatten, von denen ab und zu eins unterging. Ich war auch aus dem gleichen Material.</p>
<p>Doch als ich dann aus der Werft nach Southampton, meinem eigentlichen Heimathafen, gebracht wurde, verga&#223; ich solche Gedanken ganz schnell. Ich ging tats&#228;chlich nicht unter, also hatten die Menschen wohl recht.</p>
<p>Ich wurde auf den Namen TITANIC getauft, mit Menschen beladen und dann begann die gro&#223;e Fahrt. Ich war schrecklich aufgeregt, meine erste Fahrt &#252;ber den Ozean. Leider sollte es auch meine letzte Fahrt sein.</p>
<p>Es war Mitte April 1912, immer noch auf meiner Jungfernfahrt und mitten auf dem weiten Ozean, da riss mir ein Eisberg pl&#246;tzlich ein Loch in die Seite. Den Schmerz sp&#252;rte ich kaum, doch ich hatte schreckliche Angst. W&#252;rde ich jetzt untergehen? War das die Rache des Universums f&#252;r die blasphemische Behauptung, ich sei unsinkbar? Es war qualvoll, mein Tod dauerte mehrere Stunden.</p>
<p>Als ich wieder erwachte, war es dunkel um mich herum, und so entsetzlich trocken. Ich sp&#252;rte meinen K&#246;rper nicht mehr und mir wurde mitgeteilt, ich sei hier im Jenseits, Abteilung f&#252;r gesunkene Schiffe. Es dauerte einige Zeit, aber ich habe mich ganz gut eingelebt. Ich war ja auch nicht allein, es gab noch viele andere Schiffe. Und es kamen auch immer wieder neue Schiffe hinzu, manchmal sogar ziemlich viele auf einmal.</p>
<p>Manchmal besuchte ich meinen alten K&#246;rper, er liegt noch immer auf dem Meeresgrund, aber er ist vor Muscheln und Tang schon nicht mehr wiederzuerkennen.</p>
<p>Bei einem meiner Besuche habe ich dort Taucher gesehen, die in meinem verrotteten Leichnam herumkletterten. Leider hatte ich keine M&#246;glichkeit, sie zu verscheuchen, also habe ich mich in aller Stille zur&#252;ckgezogen.</p>
<p>Bis vor einigen Wochen sah es so aus, als w&#252;rde sich an meinem Zustand nichts mehr &#228;ndern. Doch dann kam wieder ein neues Schiff an. Es erz&#228;hlte mir, dass es jetzt einen Film &#252;ber mein tragisches Leben gibt. &#8222;Der Film lief in meinem Bordkino rund um die Uhr&#8220;, berichtete das Kreuzfahrtschiff. &#8222;Am Anfang habe ich ja versucht, ihn zu ignorieren. Es ist f&#252;r ein Schiff nicht gerade sch&#246;n, st&#228;ndig an den Untergang zu denken. Schlie&#223;lich wurde ich total nerv&#246;s, ich war mit den Nerven v&#246;llig fertig. Und das Ende vom Lied ist, dass ich mit einem anderen Schiff kollidierte und unterging.&#8220;</p>
<p>Kaum hatte ich die Nachricht verdaut, dass ich auf der Erde jetzt so etwas wie eine Ber&#252;hmtheit war, da wurde ich aufgefordert, mich im B&#252;ro f&#252;r Reinkarnation zu melden. Man teilte mir mit, dass man wahrscheinlich eine neue Stelle f&#252;r mich h&#228;tte. Die Menschen h&#228;tten vor, meinen urspr&#252;nglichen K&#246;rper nachzubauen. Im Moment w&#252;rden sie sich nur noch streiten, wer diese Mischung aus Klonen und Exhumieren, die nebenbei ein riesiges Gesch&#228;ft ist, wie mir mein Sachbearbeiter mitteilte, durchf&#252;hren sollte.</p>
<p>&#8222;Werde ich wieder unsinkbar sein?&#8220; fragte ich. &#8222;Wahrscheinlich nicht. Die Menschen sind von solchem Bl&#246;dsinn eigentlich abgekommen&#8220;, erwiderte mein Sachbearbeiter. Ich wusste nicht so recht, ob ich mich dar&#252;ber freuen sollte oder nicht, denn es gefiel mir hier im Jenseits ganz gut. Der Gedanke, wieder auf die Erde zu m&#252;ssen, noch einmal gebaut zu werden und Menschen &#252;ber den Ozean zu tragen, bis ich eines Tages wieder untergehen w&#252;rde, dieser Gedanke ist nicht gerade angenehm. Ich habe mich halt an die Bequemlichkeit des Totseins gew&#246;hnt.</p>
<p>Seitdem sind schon einige Wochen vergangen und ich habe von meinem Sachbearbeiter noch nichts neues geh&#246;rt. Ich hoffe aber, dass das Projekt eingestellt wurde.</p>
<p>Lasst mich doch einfach in Frieden ruhen.</p>
<div class="infobox">
<div class="infobox_inner">
<h3 id="anmerkungen">Anmerkungen</h3>
<p>Geschrieben: 23. Apr 1998, W&#246;rter: 726</p>
<p>Dieser Feuilleton entstand f&#252;r den Deutsch-Grundkurs der 11. Klasse. Wie im <a href="http://johannes-ruthenberg.de/das-universum-vor-gericht" >vorherigen</a> und im <a href="http://johannes-ruthenberg.de/hochmut-kommt-vor-dem-fall" >&#252;bern&#228;chsten</a> Feuilleton geht es um das Thema Titanic. Der Trubel um diesen Film ging mir damals ganz sch&#246;n auf den Keks, was sich hier niederschl&#228;gt.</p>
<h3 id="copyright">Copyright-Hinweis</h3>
<p>Dieser Text ist mein geistiges Eigentum. Ihr d&#252;rft ihn gerne speichern, ausdrucken und weitergeben, solange immer mein Name und die Adresse dieser Webseite dabeistehen. Bitte ver&#246;ffentlicht den Text jedoch nicht auf anderen Internet-Seiten oder in gedruckter Form ohne mein Einverst&#228;ndnis. Und es leuchtet sicher ein, dass ich keinen Spa&#223; verstehe, wenn ihr den Text als euren eigenen ausgebt.</p>
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		<title>Das Universum vor Gericht</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Mar 2008 20:15:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JR</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[Der erste Feuilleton zum Thema Titanic (1998): Protokoll der Verhandlung Menschheit gegen Universum. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="infostrip">Feuilleton von Johannes Ruthenberg, <a href="#anmerkungen" >Anmerkungen</a> und <a href="#copyright" >Copyright-Hinweise</a> am Ende der Seite</p>
<p>Protokoll der Verhandlung Menschheit gegen Universum</p>
<p>Die Verhandlung begann um 9.45 Uhr mit der Aufnahme der Personalien:</p>
<p class="center">Die Kl&#228;gerpartei:<br />
Name: Menschheit<br />
Alter: etwa 12.000 Jahre<br />
Wohnort: Erde</p>
<p class="center">Der Beklagte:<br />
Name: Universum<br />
Alter: etwa 19 Milliarden Jahre<br />
Wohnort: Hyperraum</p>
<p>Die Kl&#228;gerpartei wurde aufgefordert, ihren Fall vorzutragen und die Anklagepunkte zu nennen. Der Kl&#228;ger holte daraufhin weit aus, er beschrieb seine Heimat, die Erde, die unz&#228;hligen, verschiedenen L&#228;nder, die so oft durch Wasser getrennt waren. Die Menschen waren gezwungen, sich Schiffe zu bauen, um diese Ozeane zu &#252;berqueren. Und allzu h&#228;ufig gingen die Schiffe unter. Ein Sturm, Nebel vor der K&#252;ste&#8230; Die Menschen hatten es satt, auf ein Schiff zu steigen und nicht zu wissen, ob sie ankommen w&#252;rden.</p>
<p>Also beschloss man, dem ein Ende zu bereiten. Man w&#252;rde sich in Zukunft von der Natur, von den Gewalten der Elemente, von den Launen des Universums nicht mehr unterkriegen lassen. Man w&#252;rde ihnen ein f&#252;r alle mal den Spa&#223; verderben, denn man w&#252;rde ein neues Schiff bauen, ein Schiff, das ganz anders sein sollte. Es w&#252;rde unsinkbar sein! Kein Sturm k&#246;nnte ihm etwas anhaben, und der Mensch w&#252;rde endlich &#252;ber die Natur triumphieren.</p>
<p>Gesagt, getan. Man baute ein Schiff, das unsinkbar war. Und es wurde gro&#223;, geradezu titanisch gro&#223;, und man beschloss, es TITANIC zu nennen.</p>
<p>Im Jahre des Herrn 1912 begann die Titanic ihre Jungfernfahrt, und alle waren gl&#252;cklich, denn endlich war die Ungewissheit verschwunden. Dieses Schiff w&#252;rde nicht sinken, das wussten alle ganz genau, denn es war ja unsinkbar. Um so gr&#246;&#223;er war ihre &#220;berraschung dann, als die Titanic am 15.04.1912 einen Eisberg rammte und zu sinken begann.</p>
<p>F&#252;r das Protokoll: Die Tatzeit wird auf 23.39 am 15.04.1912 festgelegt.</p>
<p>Und welchen Verbrechens soll sich das Universum nun schuldig gemacht haben?, fragte der Richter leicht gelangweilt.</p>
<p>Dazu wollte ich gerade kommen, fuhr der Kl&#228;ger fort. Das Universum hat das schlimmste Verbrechen begangen, das man sich vorstellen kann: Es hat gegen die Naturgesetze versto&#223;en. Es ist nicht nat&#252;rlich, dass ein Schiff, welches unsinkbar ist, sinkt. Und derma&#223;en unnat&#252;rliche Vorg&#228;nge passieren nicht von alleine. Nebenbei ist es auch des 1500fachen Mordes schuldig.</p>
<p>O.k., rufen Sie bitte ihren ersten Zeugen auf, meinte der Richter.</p>
<p>Unser erste Zeuge ist das Universum selbst! Und dann, als das Universum auf dem Zeugenstuhl Platz genommen hatte: Wo waren Sie am Abend des 15. Aprils 1912?</p>
<p>&#196;h, zu Hause.</p>
<p>Gibt es daf&#252;r Zeugen?</p>
<p>&#196;h, ich f&#252;rchte, nein.</p>
<p>Wie haben sie sich gef&#252;hlt, als sie erfahren haben, dass es gelungen ist, ein unsinkbares Schiff zu bauen?</p>
<p>Ich war stinksauer.</p>
<p>Haben sie entgegen den Naturgesetzen und aller Logik daf&#252;r gesorgt, dass das unsinkbare Schiff sank?</p>
<p>&#196;h, nicht direkt.</p>
<p>Sondern?</p>
<p>Naja, ich habe vielleicht einen Eisberg am Nordpol ein bisschen angestupst&#8230;</p>
<p>Danke, keine weiteren Fragen, Euer Ehren.</p>
<p>Das Universum machte noch einen letzten Versuch, seinen guten Ruf zu retten: Aber wer sagt denn, dass das Schiff wirklich unsinkbar war? fragte es. Daf&#252;r gibt es doch gar keinen Beweis!</p>
<p>Darauf hatte der Kl&#228;ger nur gewartet. Er setzte sein &#8222;Jetzt hab&#8216; ich dich!&#8220;-L&#228;cheln auf und erwiderte siegessicher: Wohl in der Schule nicht aufgepasst, was? Es war bei der Konstruktion des Schiffes definiert, dass es unsinkbar sein sollte. Definitionen muss man nicht beweisen!</p>
<p>Ich glaube, ich habe jetzt genug geh&#246;rt, meinte der Richter. Im Namen der Ordnungsm&#228;chte ergeht folgendes Urteil: Schuldig im Sinne der Anklage! Ein Bruch der Naturgesetze wird mit dem Tod bestraft, die Strafe ist sofort zu vollstrecken. Henker! Wallte deines Amtes!</p>
<p>Der Henker trat aus seiner Nische&#8230;</p>
<p>Bitte, Gnade! kreischte das Universum.</p>
<p>&#8230;hob einen Entropie-Induktor&#8230;</p>
<p>Die Menschheit f&#252;gte hinzu: &#196;h, vielleicht sollten Sie sich dieses Urteil noch einmal &#252;berlegen, Euer Ehren. Wir w&#228;ren ja schon zufrieden, wenn wenigstens der Nachbau des Schiffes unsinkbar w&#228;re&#8230;</p>
<p>&#8230;und brachte das Universum damit zum Kollabieren.</p>
<p>Es machte &#8218;Plop&#8216; und der Beklagte sowie auch der Kl&#228;ger als Einwohner des ersteren waren nicht mehr als verwehende Energiemuster im Hyperraum.</p>
<p>Einer der Gerichtsdiener beugte sich vor und fragte den Richter: Und was ist, falls der Angeklagte Revision gegen das Urteil einlegen will?</p>
<div class="infobox">
<div class="infobox_inner">
<h3 id="anmerkungen">Anmerkungen</h3>
<p>Geschrieben: 22. Apr 1998, W&#246;rter: 662</p>
<p>Dieser Feuilleton entstand f&#252;r den Deutsch-Grundkurs der 11. Klasse. Wie in <a href="http://johannes-ruthenberg.de/ruhe-in-frieden" >zwei</a> <a href="http://johannes-ruthenberg.de/hochmut-kommt-vor-dem-fall" >folgenden</a> Feuilletons geht es um das Thema Titanic. Der Trubel um diesen Film ging mir damals ganz sch&#246;n auf den Keks, was sich hier niederschl&#228;gt.</p>
<h3 id="copyright">Copyright-Hinweis</h3>
<p>Dieser Text ist mein geistiges Eigentum. Ihr d&#252;rft ihn gerne speichern, ausdrucken und weitergeben, solange immer mein Name und die Adresse dieser Webseite dabeistehen. Bitte ver&#246;ffentlicht den Text jedoch nicht auf anderen Internet-Seiten oder in gedruckter Form ohne mein Einverst&#228;ndnis. Und es leuchtet sicher ein, dass ich keinen Spa&#223; verstehe, wenn ihr den Text als euren eigenen ausgebt.</p>
</div>
</div>
                <p style="border-top: 1px solid #999999; padding-top: 1em;"><small>Soweit nicht anders angegeben: &copy; Johannes Ruthenberg. Lesen erwünscht, Zitieren erlaubt, Übernahme des kompletten Textes oder Einbinden des Feeds in andere Webseiten nicht gestattet! Für mehr Infos dazu siehe <a href="http://johannes-ruthenberg.de/infos">http://johannes-ruthenberg.de/infos</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kumpelstilzchen</title>
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		<comments>http://johannes-ruthenberg.de/kumpelstilzchen#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 02 Mar 2008 17:49:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JR</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen]]></category>

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		<description><![CDATA[Modern(isiert)es M&#228;rchen (1998): Mein viertes und letztes '&#252;berarbeitetes' M&#228;rchen, einige Monate nach den anderen entstanden. Eine neue Variante von "Rumpelstilzchen". [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="infostrip">Modern(isiert)es M&#228;rchen von Johannes Ruthenberg, <a href="#anmerkungen" >Anmerkungen</a> und <a href="#copyright" >Copyright-Hinweise</a> am Ende der Seite</p>
<p>Es war einmal ein Bergmann, der war arm, hatte aber eine sch&#246;ne Tochter. Nun traf es sich, dass er mit seinen Kollegen in der Kantine sa&#223;, und weil er schon ein paar Bier intus hatte, sagte er zu ihnen: &#8222;Meine Tochter ist Chemikerin. Die k&#246;nnte alles, was wir aus dem Bergwerk rausholen, in Gold verwandeln.&#8220;</p>
<p>Es begab sich aber, dass am Nebentisch der Manager des Bergwerkkonzerns sa&#223; und alles h&#246;rte. Bei diesen Worten aber schlug sein Herz h&#246;her, denn er dachte daran, wie er sich vorige Woche an der B&#246;rse verspekuliert hatte, und dass das verlorene Geld aus der Firmenkasse stammte. So sagte der Manager zu dem Bergmann: &#8222;Das ist eine Kunst, die mir wohl gef&#228;llt. Wenn du deine Arbeit behalten m&#246;chtest, bring deine Tochter morgen Abend hierher, da will ich sie auf die Probe stellen.&#8220;</p>
<p>Als nun das M&#228;dchen zu ihm gebracht ward, f&#252;hrte er sie in einen Bergwerksstollen, gab ihr eine Lampe und einen Helm und sprach: &#8222;Jetzt mach dich an die Arbeit, und wenn du morgen fr&#252;h nicht den Inhalt dieses Wagens in Gold verwandelt hast, so musst du sterben.&#8220;</p>
<p>Daraufhin stie&#223; er sie weiter in den Stollen hinein und verschloss den Eingang hinter ihr mit Brettern. Als sie sich umblickte, stellte sie fest, dass sie in einem Salzbergwerk gelandet war, denn vor ihr stand ein gro&#223;er Wagen, der bis oben hin mit Salzklumpen beladen war.</p>
<p>Da sa&#223; nun das arme M&#228;dchen und wusste sich keinen Rat. Sie war n&#228;mlich Lebensmittelchemikerin und hatte nicht die geringste Ahnung, wie man Natriumchlorid in Gold verwandeln sollte, allerdings hatte sie leichte Zweifel, ob das &#252;berhaupt m&#246;glich sei. Als sie die erste Ratte durch den Lichtschein ihrer Lampe huschen sah, ward ihre Angst immer gr&#246;&#223;er und schlie&#223;lich fing sie an zu weinen.</p>
<p>Da trat auf einmal ein kleines M&#228;nnchen aus einem Seitenstollen heraus und sprach: &#8222;Guten Abend, warum weinst du so sehr?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ach&#8220;, antwortete das M&#228;dchen, &#8222;ich soll dieses Salz in Gold verwandeln und wei&#223; nicht wie.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was gibst du mir, wenn ich die Aufgabe f&#252;r dich erledige?&#8220; fragte das M&#228;nnchen lauernd.</p>
<p>&#8222;Meine Visa-Karte&#8220;, sagte das M&#228;dchen, dessen Name &#252;brigens Jasmin war, wohlwissend, dass auf ihrem Konto keine zehn Euro mehr drauf waren. Das M&#228;nnchen nahm die Visa-Karte mit gl&#228;nzenden Augen entgegen, steckte sie ein und verschwand dann in dem Seitenstollen, um eine umfangreiche alchemistische Ausr&#252;stung herbei zu schaffen. Dann begann es, das Salz in gro&#223;e Reagenzgl&#228;ser zu f&#252;llen, und ein durchdringender Methangeruch breitete sich in dem Stollen aus. Das M&#228;dchen wurde davon todm&#252;de und wachte erst am n&#228;chsten Morgen wieder auf, als jemand die Bretter vor dem Eingang lautstark entfernte.</p>
<p>Das M&#228;nnchen war verschwunden, der Wagen aber war bis oben hin mit Gold beladen. Als der Manager das sah, freute er sich sehr, aber er dachte an die Hypothek, die auf seiner bescheidenen Villa lastete. Und so drohte er dem M&#228;dchen wieder mit dem Tod, versprach ihr aber andererseits ein besseres Gehalt f&#252;r ihren Vater, wenn sie in der n&#228;chsten Nacht dieses Wunder wiederholen w&#252;rde.</p>
<p>Und als es Abend wurde, da lie&#223; er sie in ein anderes Bergwerk bringen und verschloss wieder den Stollen hinter ihr. Im Schein ihrer Lampe konnte sie sehen, dass zwei gro&#223;e Wagen bis oben hin mit Schwefelklumpen beladen waren, denn der Bergwerkskonzern war auch ein Zulieferer f&#252;r eine Streichholzfabrik.</p>
<p>Da Jasmin in der vergangenen Nacht aber geschlafen hatte, wusste sie nun nicht, wie das M&#228;nnchen es geschafft hatte, dass Salz in Gold zu verwandeln, und so setzte sie sich hin und weinte bitterlich.</p>
<p>Doch da trat abermals das M&#228;nnchen aus einem Seitenstollen hervor und sprach: &#8222;Was gibst du mir, wenn ich den Schwefel f&#252;r dich in Gold verwandele?&#8220;</p>
<p>&#8222;Meine Lesebrille, die war sauteuer. Du kannst sie mit Profit weiterverkaufen.&#8220; Das M&#228;nnchen war mit diesem Angebot zufrieden. Jasmin entfernte unauff&#228;llig das Fielmann-Brillenputztuch aus dem Etui, ehe sie die Brille dem M&#228;nnchen reichte. Dieses aber machte sich sofort daran, die Schwefelklumpen in Gold zu verwandeln. Das M&#228;dchen sah eine Weile zu, doch der durchdringende Schwefelgeruch machte sie m&#252;de, und sie schlief ein.</p>
<p>Als sie erwachte, war das M&#228;nnchen schon verschwunden, die beiden Wagen aber waren bis oben hin mit Gold beladen. Als das der Manager sah, freute er sich sehr, dachte aber auch an seine Zukunft, die er auf einer kleinen Yacht zu verbringen gedachte. Er lie&#223; das M&#228;dchen in ein weiteres Bergwerk f&#252;hren, und sprach: &#8222;Gelingt es dir, die Kohle auf diesen f&#252;nf Wagen in Diamanten zu verwandeln, so sollst du meinen Sohn zum Mann kriegen. Gelingt es dir aber nicht, so bist du des Todes.&#8220; Damit lie&#223; er sie in dem Bergwerk allein und versperrte den Eingang hinter ihr.</p>
<p>Kurz darauf kam das M&#228;nnchen wieder und fragte: &#8222;Was gibst du mir, wenn ich dir heute Nacht noch einmal helfe?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich habe nichts mehr, das ich dir geben k&#246;nnte&#8220;, erwiderte das M&#228;dchen traurig.</p>
<p>&#8222;So versprich mir, wenn du verheiratet bist, dein erstes Kind.&#8220;</p>
<p>Die Bergmannstochter dachte daran, dass sie die Pille nahm, und an den Sohn des Managers, den sie kannte und den sie unbedingt haben wollte, also versprach sie dem M&#228;nnchen, was es verlangte. Das M&#228;nnchen aber schaffte viele Gewichte herbei, die es auf die Kohle stellte, dann fing es an, auf den Kohlewagen herumzutanzen, und Jasmin wurde durch das Zusehen so m&#252;de, dass sie einschlief. Am anderen Morgen wurde sie durch den Manager geweckt, der vor Freude total ausrastete, als er die f&#252;nf Wagen voll mit Diamanten sah.</p>
<p>Er nahm Jasmin mit in seine Villa, und kurz darauf heiratete sie seinen Sohn. Der Pfarrer fragte sich die ganze Zeremonie hindurch, woher die beiden jungen Leute wohl das Geld hatten, um die Diamantsplitter auf den Eheringen zu bezahlen.</p>
<p>Es vergingen keine sieben Monate, da brachte die frisch gebackene Ehefrau ein Kind zur Welt. Eines Tages sa&#223; die junge Mutter gerade zu Hause und fragte sich, ob auf der Schachtel mit ihren Pillen schon immer &#8218;Aspirin&#8216; gestanden hatte, da trat pl&#246;tzlich das M&#228;nnchen, an welches sie &#252;berhaupt nicht mehr gedacht hatte, durch die Terrassent&#252;r und sprach: &#8222;Ich bin gekommen, um zu holen, was du mir versprochen hast.&#8220;</p>
<p>Jasmin erschrak ganz f&#252;rchterlich und bot dem M&#228;nnchen alle Sparb&#252;cher ihres Schwiegervaters an, wenn es ihr nur das Kind lassen wolle. Doch das M&#228;nnchen sagte: &#8222;Nein, etwas Lebendes ist mir lieber als alles Geld. Ich habe n&#228;mlich Hunger.&#8220; Kaum hatte es das gesagt, da brach sie weinend und schreiend zusammen.</p>
<p>Da bekam das M&#228;nnchen Mitleid. &#8222;War nur &#8217;n Scherz&#8220;, meinte es schnell. Und dann schlug es ihr ein Gesch&#228;ft vor: &#8222;Drei Tage will ich dir Zeit lassen. Wenn du bis dahin meinen Namen wei&#223;t, sollst du dein Kind behalten.&#8220;</p>
<p>Nun besann sich Jasmin die ganze Nacht &#252;ber auf alle Namen, die sie je geh&#246;rt hatte, und sie engagierte auch einen Privatdetektiv, der alles &#252;ber das M&#228;nnchen herausfinden sollte. Als am anderen Tag das M&#228;nnchen kam, fing sie an mit Lagerfeld, Versace, Gates, und sagte der Reihe nach alle Namen auf, die sie wusste, aber bei jedem sprach das M&#228;nnchen: &#8222;So hei&#223; ich bestimmt nicht.&#8220;</p>
<p>Am zweiten Tag suchte sie sich aus dem Internet die ungew&#246;hnlichsten Namen heraus. &#8222;Hei&#223;est du vielleicht Tautmo Aagenfeldt? Oder Galbraith Deighton? Vielleicht Jean-Luc Picard?&#8220;</p>
<p>Doch das M&#228;nnchen antwortete immer nur: &#8222;Nicht dass ich w&#252;sste.&#8220;</p>
<p>Am dritten Tag kam der Privatdetektiv endlich zur&#252;ck und erz&#228;hlte: &#8222;Ich habe den Typen zwei Tage lang beschattet. Anscheinend ist er ein ehemaliger Angestellter Eures Schwiegervaters. Bei ihm ist aber eine Schraube locker. Vorgestern ist er in den Wald gefahren. Da hackte er wie wild Holz entzwei und sang:</p>
<p>&#8222;Heute hack&#8216; ich, morgen bau&#8216; ich,<br />
&#252;bermorgen hol&#8216; ich mir das Kind;<br />
ach, wie gut, dass ich selbst nicht wei&#223;,<br />
wie ich eigentlich hei&#223;&#8216;.&#8220;</p>
<p>Jasmin &#252;berlegte ein Weilchen, dann f&#252;hrte sie einige Telefonate mit verschiedenen &#196;rzten und holte sich eine Akte aus dem Firmencomputer ihres Schwiegervaters.</p>
<p>Als kurz darauf das M&#228;nnchen eintrat und fragte: &#8222;Nun, wie hei&#223; ich wohl?&#8220;, fragte sie erst: &#8222;Hei&#223;est du vielleicht Kunz?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nicht dass ich w&#252;sste&#8220;, antwortete das M&#228;nnchen.</p>
<p>&#8222;Hei&#223;est du vielleicht Hinz?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nicht dass ich w&#252;sste&#8220;, sagte das M&#228;nnchen wieder.</p>
<p>&#8222;Du bist sicher, dass du nicht Hinz hei&#223;t?&#8220; fragte sie noch einmal, mit einem Blick auf die vor ihr liegende Akte.</p>
<p>&#8222;&#196;h&#8230;ja, ziemlich&#8220;, antwortete das M&#228;nnchen.</p>
<p>&#8222;Nun gut, ich gebe mich geschlagen&#8220;, seufzte Jasmin. &#8222;Hier ist der Adoptionsvertrag. Du musst nur noch mit deinem Namen unterschreiben.&#8220;</p>
<p>Das M&#228;nnchen, das schon angefangen hatte, fr&#246;hlich herumzutanzen, hielt wie vom Donner ger&#252;hrt inne. &#8222;&#196;h, unterschreiben???&#8220; fragte es unsicher. Als die Bergmannstochter nickte, fing es an, in seinen Taschen nach einem Kugelschreiber zu w&#252;hlen und murmelte dabei vor sich hin: &#8222;Ja, wie hei&#223; ich denn? Hei&#223;e ich vielleicht Kunz? Oder Hinz? Oder vielleicht gar Mr. Spock?&#8230;&#8220; Es fand endlich einen Kuli und fragte vorsichtig. &#8222;Reicht es, wenn ich drei Kreuze mache?&#8220;</p>
<p>In diesem Augenblick wurde die T&#252;r aufgesto&#223;en, und zwei M&#228;nner in wei&#223;en Kitteln kamen herein. &#8222;Vielen Dank, dass Sie uns gerufen haben. Den Kerl suchen wir schon lange. Die Bergwerksluft ist ihm wohl nicht bekommen, jedenfalls ist bei ihm &#8217;ne Schraube locker.&#8220;</p>
<p>W&#228;hrend er das sagte, packte der Arzt das M&#228;nnchen, steckte es zusammen mit seinem Kollegen in eine wei&#223;e Jacke und zerrte es aus dem Raum. Jasmin h&#246;rte noch die leiser werdenden Stimmen der drei.</p>
<p>&#8222;He, Jungs! Ist euch schon mal aufgefallen, dass die &#196;rmel dieser Jacke auf dem R&#252;cken zugen&#228;ht sind?&#8220; fragte das M&#228;nnchen.</p>
<p>&#8222;Das ist immer so bei Zwangsjacken&#8220;, antwortete einer der M&#228;nner.</p>
<p>&#8222;Das hat euch der Teufel gesagt!&#8220; kreischte das M&#228;nnchen los. Und dann kam noch einmal das d&#252;nne Stimmchen des M&#228;nnchens: &#8222;K&#246;nntet ihr mich mal kurz aus der Jacke rauslassen? Irgendetwas sagt mir, dass ich mir jetzt eigentlich ein Bein ausrei&#223;en m&#252;sste!&#8220; bevor das Zuschlagen der Haust&#252;r das Gespr&#228;ch beendete.</p>
<p class="center" style="font-size: larger;">ENDE</p>
<div class="infobox">
<div class="infobox_inner">
<h3 id="anmerkungen">Anmerkungen</h3>
<p>Geschrieben: 10. Feb 1998, W&#246;rter: 1.599</p>
<p>Dieses M&#228;rchen entstand nicht mehr f&#252;r den Deutsch-Unterricht der 10. Klasse, sondern ich habe es einige Monate sp&#228;ter aus einer Laune heraus aufgeschrieben. Vorbild war auch hier das (fast) gleichnamige M&#228;rchen der Gebr&#252;der Grimm. Die Tatsache, dass im Text Euro erw&#228;hnt werden, sagt mir, dass ich es zwischenzeitlich wohl mal leicht &#252;berarbeitet habe.</p>
<h3 id="copyright">Copyright-Hinweis</h3>
<p>Dieser Text ist mein geistiges Eigentum. Ihr d&#252;rft ihn gerne speichern, ausdrucken und weitergeben, solange immer mein Name und die Adresse dieser Webseite dabeistehen. Bitte ver&#246;ffentlicht den Text jedoch nicht auf anderen Internet-Seiten oder in gedruckter Form ohne mein Einverst&#228;ndnis. Und es leuchtet sicher ein, dass ich keinen Spa&#223; verstehe, wenn ihr den Text als euren eigenen ausgebt.</p>
</div>
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                <p style="border-top: 1px solid #999999; padding-top: 1em;"><small>Soweit nicht anders angegeben: &copy; Johannes Ruthenberg. Lesen erwünscht, Zitieren erlaubt, Übernahme des kompletten Textes oder Einbinden des Feeds in andere Webseiten nicht gestattet! Für mehr Infos dazu siehe <a href="http://johannes-ruthenberg.de/infos">http://johannes-ruthenberg.de/infos</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dornr&#246;schen</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Mar 2008 17:30:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JR</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen]]></category>

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		<description><![CDATA[Modern(isiert)es M&#228;rchen (1997): Mein drittes '&#252;berarbeitetes' M&#228;rchen erz&#228;hlt eine neue, tragische Version von "Dornr&#246;schen". [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="infostrip">Modern(isiert)es M&#228;rchen von Johannes Ruthenberg, <a href="#anmerkungen" >Anmerkungen</a> und <a href="#copyright" >Copyright-Hinweise</a> am Ende der Seite</p>
<p>Vorzeiten war ein K&#246;nig, dessen Frau gebar nach langem Warten endlich ein M&#228;dchen, das war so sch&#246;n, dass der K&#246;nig vor Freude sich nicht zu lassen wusste und ein gro&#223;es Fest veranstaltete. Er lud nicht blo&#223; seine Verwandten, Freunde und Bekannten, sondern auch die weisen Frauen dazu ein. Es waren ihrer 13 in seinem Lande, weil er aber nur 12 goldene Teller hatte, musste eine von ihnen daheim bleiben.</p>
<p>Das Fest ward mit aller Pracht gefeiert, und als es zu Ende war, beschenkten die weisen Frauen das Kind mit ihren Wundergaben: die eine mit Tugend, die andere mit Sch&#246;nheit, die dritte mit Reichtum, und so mit allem, was auf der Welt zu w&#252;nschen ist. Als elfe ihre Spr&#252;che eben getan hatten, trat pl&#246;tzlich die 13. herein. Sie wollte sich daf&#252;r r&#228;chen, dass sie nicht eingeladen worden war und rief mit lauter Stimme: &#8222;Die K&#246;nigstochter soll sich in ihrem 15. Jahr an einer Spindel stechen und tot hinfallen.&#8220; Und ohne ein Wort weiter zu sprechen, kehrte sie um und verlie&#223; den Saal.</p>
<p>Alle waren erschrocken, da trat die 12. hervor, die ihren Wunsch noch &#252;brig hatte, und weil sie den b&#246;sen Spruch nicht aufheben, sondern ihn nur mildern konnte, sprach sie: &#8222;Es soll aber kein Tod sein, sondern ein hundertzwanzigj&#228;hriger tiefer Schlaf, in welchen die K&#246;nigstochter f&#228;llt.&#8220; Der K&#246;nig, der sein liebes Kind vor dem Ungl&#252;ck gern bewahren wollte, lie&#223; den Befehl ausgehen, dass alle Spindeln im ganzen K&#246;nigreich verbrannt werden sollten.</p>
<p>Das M&#228;dchen aber wuchs heran, und die Gaben der weisen Frauen erf&#252;llten sich s&#228;mtlich. Es geschah, dass an dem Tag, als es gerade 15 Jahr alt wurde, der K&#246;nig und die K&#246;nigin nicht zu Hause waren und das M&#228;dchen ganz allein im Schloss zur&#252;ckblieb. Da ging es allerortens herum, besah Stuben, Kammern und kam auch an einen alten Turm. Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf und gelangte zu einem kleinen St&#252;bchen, in dem sa&#223; eine alte Frau mit einer Spindel und spann emsig ihren Flachs.</p>
<p>&#8222;Guten Tag, du altes M&#252;tterchen&#8220;, sprach die K&#246;nigstochter, &#8222;was machst du da?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich spinne&#8220;, sagte die Alte.</p>
<p>&#8222;Was ist das da f&#252;r ein Ding, das so lustig herumspringt?&#8220; fragte das M&#228;dchen, nahm die Spindel und wollte auch spinnen. Kaum hatte sie aber die Spindel anger&#252;hrt, so ging der Zauberspruch in Erf&#252;llung, und sie stach sich damit in den Finger. In dem Augenblick, wo sie den Stich empfand, fiel sie auf das Bett nieder und lag in einem tiefen Schlaf. Und dieser Schlaf verbreitete sich &#252;ber das ganze Schloss: Der K&#246;nig und die K&#246;nigin, die eben heimgekommen waren, fingen an einzuschlafen und der ganze Hofstaat mit ihnen. Da schliefen auch die Pferde, die Hunde, die Tauben und selbst das Feuer, das auf dem Herd flackerte, ward still und schlief ein.</p>
<p>Rings um das Schloss aber begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr h&#246;her ward, und endlich das ganze Schloss umzog und dar&#252;ber hinauswuchs, so dass man gar nichts mehr davon sehen konnte.</p>
<p>Es ging aber die Sage in dem Land von dem sch&#246;nen, schlafenden Dornr&#246;schen, denn so ward die K&#246;nigstochter genannt, also dass von Zeit zu Zeit K&#246;nigss&#246;hne kamen und durch die Hecke in das Schloss dringen wollten. Es ward ihnen aber nicht m&#246;glich, denn die Dornen, als h&#228;tten sie H&#228;nde, hielten fest zusammen, und die J&#252;nglinge blieben darin h&#228;ngen und starben eines j&#228;mmerlichen Todes. Nach langen Jahren kam wieder einmal ein K&#246;nigssohn ins Land und h&#246;rte, wie ein alter Mann von der Dornenhecke erz&#228;hlte, es sollte ein Schloss dahinter stehen, in welchem eine wundersch&#246;ne K&#246;nigstochter, Dornr&#246;schen genannt, schon seit 100 Jahren schliefe.</p>
<p>Er wusste auch von seinem Gro&#223;vater, dass schon viele K&#246;nigss&#246;hne gekommen w&#228;ren und versucht h&#228;tten, durch die Dornenhecke zu dringen, aber sie w&#228;ren darin h&#228;ngengeblieben und eines traurigen Todes gestorben. Da sprach der J&#252;ngling: &#8222;Ich f&#252;rchte mich nicht, ich will hinaus und das sch&#246;ne Dornr&#246;schen sehen.&#8220; Der gute Alte mochte ihm abraten, wie er wollte, er h&#246;rte nicht auf seine Worte.</p>
<p>Als der K&#246;nigssohn sich der Dornenhecke n&#228;herte, waren es lauter spitze Dornen, die ihn piekten und stachen, und er rief: &#8222;Moment mal. So geht das aber nicht!&#8220;</p>
<p>Die Dornenhecke hielt ihn fest, so dass er sich nicht mehr bewegen konnte. &#8222;He, du! Was soll dieser Unsinn?&#8220; Durch die Hecke konnte er im Schlosshof die Pferde und die scheckigen Jagdhunde schlafen sehen. &#8222;He, du! Du, der du gerade dieses M&#228;rchen schreibst!&#8220;</p>
<p><em>Meinst du mich?</em></p>
<p>&#8222;Ja, ich meine dich! Ich glaube, du hast da irgendwas verwechselt!&#8220;</p>
<p><em>Was denn?</em></p>
<p>&#8222;Es muss hei&#223;en: Als der K&#246;nigssohn sich der Hecke n&#228;herte, waren es lauter gro&#223;e sch&#246;ne Blumen, die taten sich von selbst auseinander und lie&#223;en ihn unbesch&#228;digt hindurch!&#8220;</p>
<p><em>Warum sollten sie? Es sind doch erst hundert Jahre vergangen!</em></p>
<p>&#8222;Eben!&#8220;</p>
<p><em>Aber die Fee hat doch gesagt: Es soll kein Tod sein, sondern ein hundertzwanzigj&#228;hriger, tiefer Schlaf!</em></p>
<p>&#8222;He, warte mal! Ich kenne doch wohl mein eigenes M&#228;rchen. Es hei&#223;t: hundertj&#228;hriger Schlaf! Du Trottel hast dich verschrieben! Ich verlange, dass du das sofort wieder r&#252;ckg&#228;ngig machst!&#8220;</p>
<p><em>Dazu ist es jetzt zu sp&#228;t! Und nun st&#246;r mich nicht! Ich muss das M&#228;rchen zu Ende schreiben.</em></p>
<p>Der arme Prinz aber konnte sich aus den Dornen nicht mehr befreien und musste &#8222;Das kannst du mit mir nicht machen! Mit mir nicht! Ich bin ein K&#246;nigssohn! Ich werde die Soldaten meines Vaters auf dich hetzen!&#8230;&#8220; <em>Ruhe!</em> einen elenden Tod &#8222;Hiiilfe&#8230;!!!&#8220; erleiden! Die sch&#246;ne K&#246;nigstochter aber wachte 20 Jahre sp&#228;ter allein in ihrem Turm auf und mit ihr das ganze Schloss. Die Rosenhecke schrumpfte zusammen und die Leichen und Skelette der erfolglosen Prinzen fielen zu Boden.</p>
<p>Und da die L&#228;ndereien rund um das K&#246;nigsschloss mittlerweile unter anderen K&#246;nigen aufgeteilt worden waren, musste der K&#246;nig sein Schloss zu einem Hotel umfunktionieren, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dornr&#246;schen aber heiratete den Pagen und sie lebten gl&#252;cklich bis an ihr Lebens-</p>
<p class="center" style="font-size: larger;">ENDE</p>
<div class="infobox">
<div class="infobox_inner">
<h3 id="anmerkungen">Anmerkungen</h3>
<p>Geschrieben: 08. Apr 1997, W&#246;rter: 957</p>
<p>Dieses, sowie die <a href="http://johannes-ruthenberg.de/haensel-und-gretel" >beiden</a> <a href="http://johannes-ruthenberg.de/haensel-und-graetel" >vorhergehenden</a> M&#228;rchen entstanden f&#252;r den Deutsch-Unterricht der 10. Klasse. Vorbild war nat&#252;rlich das gleichnamige M&#228;rchen der Gebr&#252;der Grimm.</p>
<h3 id="copyright">Copyright-Hinweis</h3>
<p>Dieser Text ist mein geistiges Eigentum. Ihr d&#252;rft ihn gerne speichern, ausdrucken und weitergeben, solange immer mein Name und die Adresse dieser Webseite dabeistehen. Bitte ver&#246;ffentlicht den Text jedoch nicht auf anderen Internet-Seiten oder in gedruckter Form ohne mein Einverst&#228;ndnis. Und es leuchtet sicher ein, dass ich keinen Spa&#223; verstehe, wenn ihr den Text als euren eigenen ausgebt.</p>
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                <p style="border-top: 1px solid #999999; padding-top: 1em;"><small>Soweit nicht anders angegeben: &copy; Johannes Ruthenberg. Lesen erwünscht, Zitieren erlaubt, Übernahme des kompletten Textes oder Einbinden des Feeds in andere Webseiten nicht gestattet! Für mehr Infos dazu siehe <a href="http://johannes-ruthenberg.de/infos">http://johannes-ruthenberg.de/infos</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>H&#228;nsel und Gr&#228;tel</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Mar 2008 17:19:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JR</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Märchen]]></category>

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		<description><![CDATA[Modern(isiert)es M&#228;rchen (1997): Mein zweites '&#252;berarbeitetes' M&#228;rchen und meine zweite Version von "H&#228;nsel und Gretel". Viel moderner geht's nicht. ;-) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="infostrip">Modern(isiert)es M&#228;rchen von Johannes Ruthenberg, <a href="#anmerkungen" >Anmerkungen</a> und <a href="#copyright" >Copyright-Hinweise</a> am Ende der Seite</p>
<p>In einer kleinen Stadt wohnte ein armer Fischverk&#228;ufer mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; der Junge hie&#223; H&#228;nsel und das M&#228;dchen Gr&#228;tel. Seine Einnahmen waren sehr gering, und als in der Nachbarschaft wieder eine Aldi-Filiale aufmachte, wollte ihm keiner mehr seine Fische abkaufen.</p>
<p>Wie er sich nun abends in seinem Bette (mit der modernen Matratze f&#252;r extra weichen Schlafgenuss) Gedanken machte und herumw&#228;lzte, seufzte er und sprach zu seiner Frau: &#8222;Was soll aus uns werden? Wie k&#246;nnen wir uns ein zweites Auto kaufen, wenn wir unsere armen Kinder ern&#228;hren m&#252;ssen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wei&#223;t du was, Mann&#8220;, antwortete die Frau, die sich gerade eine Gurkenmaske gemacht hatte, &#8222;wir wollen morgen in aller Fr&#252;he die Kinder auf den Bahnhof f&#252;hren, da setzen wir sie in einen Zug und geben jedem eine Fahrkarte, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht mehr nach Hause und wir sind sie los.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein, Frau&#8220;, sagte der Mann, &#8222;das tue ich nicht; wer soll denn dann den M&#252;ll wegbringen und den Abwasch machen, wenn die Kinder nicht mehr da sind?&#8220;</p>
<p>&#8222;Oh du Narr&#8220;, sagte sie, &#8222;dann m&#252;ssen wir weiter mit nur einem Auto leben, und denk nur an die Raten f&#252;r die Waschmaschine.&#8220; Und sie lie&#223; ihm keine Ruhe bis er einwilligte. Die zwei Kinder hatten in ihrem Zimmer noch ferngesehen und hatten geh&#246;rt, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte. Gr&#228;tel weinte bittere Tr&#228;nen und sprach zu H&#228;nsel: &#8222;Nun ist&#8217;s um uns geschehen. Wir werden die Fortsetzung von <em>Beverly Hills</em> verpassen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Still, Gr&#228;tel&#8220;, sprach H&#228;nsel, &#8222;gr&#228;me dich nicht, ich will uns schon helfen.&#8220; Und als die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, zog sein T-Shirt und seine Jeans an und holte seinen kleinen, tragbaren Fernseher aus der Wohnstube. Dann schlich er zur T&#252;r hinaus und sah die Kieselsteine, mit denen er dem Nachbarn immer die Fensterscheiben zerschoss.</p>
<p>Im Licht der gro&#223;en Dr.-Oetker-Reklame gl&#228;nzten sie wie 5-Mark-St&#252;cke, und H&#228;nsel steckte so viele davon in seine Wrangler Jeans wie hinein passten. Dann ging er wieder zur&#252;ck, sprach zu seiner Schwester: &#8222;Sei getrost, liebes Schwesterchen, wir werden <em>Beverly Hills</em> nicht verpassen&#8220;, und legte sich wieder in sein Bett.</p>
<p>Als der Tag anbrach, noch bevor das Fr&#252;hst&#252;cksfernsehen angefangen hatte, kam schon die Frau und weckte die beiden Kinder: &#8222;Steht auf, ihr Faulenzer, wir wollen ans Meer fahren und f&#252;r euren Vater ein paar frische Fische kaufen.&#8220; Dann gab sie jedem eine Fahrkarte und sprach: &#8222;Da habt ihr eure Fahrkarte, aber verliert sie nicht, eine neue kriegt ihr nicht.&#8220;</p>
<p>Danach fuhren sie alle mit dem Bus zum Bahnhof. Als sie mitten auf den Bahnsteig gekommen waren, sprach der Vater: &#8222;Nun setzt euch in den Zug, ihr Kinder, und ruht euch aus. Wir gehen zum Fahrkartenschalter und kaufen unsere beiden Karten. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder zu euch.&#8220; H&#228;nsel und Gr&#228;tel stiegen ein und setzten sich ans Fenster. Nach einer Weile holten sie ihren kleinen Fernseher raus und sahen sich <em>Beverly Hills</em> an. Und als die Folge zu Ende war, merkten sie, dass ihre Eltern immer noch nicht da waren, obwohl der Zug schon den Bahnhof verlie&#223;. Da machte H&#228;nsel das Fenster auf und warf alle paar Sekunden einen Kieselstein hinaus.</p>
<p>Als der Zug endlich anhielt, da war es schon finstere Nacht. Gr&#228;tel fing an zu weinen und H&#228;nsel tr&#246;stete sie und sprach: &#8222;Wart nur, Gr&#228;tel, bis der Mond aufgeht, dann werden wir die Kieselsteine sehen, die ich ausgestreut habe, die zeigen uns den Weg nach Hause.&#8220; Als der Mond kam, machten sie sich auf, aber sie fanden den richtigen Weg nicht, denn alle Gleise waren auf Kieselsteinen angelegt worden. So irrten sie lange Zeit auf dem fremden Bahnhof herum, auf der Suche nach einem warmen Pl&#228;tzchen. Nach vielen Stunden schlie&#223;lich sahen sie einen alten Eisenbahnwaggon, in dem Licht brannte. Drau&#223;en war es sehr kalt, und deshalb gingen sie n&#228;her, um zu sehen wer in dem Waggon lebte. Dabei stolperte H&#228;nsel &#252;ber eine Kiste mit Lebkuchen, die hier abgestellt worden war, weil sie der anspruchsvoll hohen Qualit&#228;t der Marktkaufprodukte nicht mehr entsprachen. Da rief eine Stimme aus dem Waggon heraus:</p>
<p>&#8222;Knusper, knusper, kn&#228;uschen,<br />
wer schleicht da um mein H&#228;uschen?&#8220;</p>
<p>Die Kinder antworteten: &#8222;Die Steuerfahndung&#8220;, und gingen weiter ohne sich irre machen zu lassen. Da ging auf einmal die T&#252;re auf, und eine Frau mittleren Alters kam die drei Stufen des Waggons herunter gesprungen und sagte: &#8222;Ei, ihr lieben Kinder, was macht ihr denn hier? Kommt ruhig rein und macht es euch gem&#252;tlich.&#8220; Die Kinder, die im Hintergrund einen Fernseher ersp&#228;ht hatten und auf keinen Fall <em>Akte X</em> verpassen wollten, folgten der Frau bereitwillig ins Innere des Waggons.</p>
<p>Dort bekamen sie jeder ein Glas mit der wertvollen Landliebe-Milch, die extra viel Calcium enthielt, und die Frau machte ihnen in der Mikrowelle schnell eins der leckeren K&#228;segerichte von Miracoli warm. Danach richtete sie ihnen im letzten Abteil zwei Betten her, die dank Ariel Ultra Futur schneewei&#223; gl&#228;nzten.</p>
<p>Die Frau hatte sich aber nur verstellt, in Wirklichkeit geh&#246;rte sie einer Kannibalen-Sekte an, und immer, wenn sie Hunger hatte, entf&#252;hrte sie ein Kind und verspeiste es. H&#228;nsel und Gr&#228;tel waren ihr gerade recht gekommen, denn sie fastete schon seit 3 Wochen.</p>
<p>Fr&#252;hmorgens wurde sie von ihrer Funkuhr geweckt und ging zu den Kindern, die noch schliefen. Sie packte H&#228;nsel, trug ihn in ein leeres Abteil und sperrte ihn dort ein. Dann ging sie zu Gr&#228;tel, r&#252;ttelte sie wach und rief: &#8222;Steh auf Faulenzerin und wasch ab. Ich brauche das Mikrowellengeschirr f&#252;r deinen Bruder. Der sitzt in einem Abteil und soll fett werden, und wenn er fett ist, werde ich ihn essen.&#8220;</p>
<p>In den n&#228;chsten 4 Wochen bekam H&#228;nsel nur das beste Mikrowellenessen, Gr&#228;tel aber musste mit herk&#246;mmlichen Billigprodukten leben. Jeden Morgen ging die Frau zu dem Abteil und lie&#223; sich von H&#228;nsel einen Finger herausstrecken, um zu sehen, ob er schon fett w&#228;re. H&#228;nsel streckte ihr aber einen der wohlschmeckenden Chappi-Hundeknochen heraus, den er noch in seiner Hosentasche gefunden hatte, und die Frau, die trotz ihrer schlechten Augen noch nicht auf die Idee gekommen war, sich eine der g&#252;nstigen Fielmann-Brillen zu holen, meinte, es w&#228;re H&#228;nsels Finger. Als 4 Wochen herum waren und sich der Chappi-Knochen immer noch mager anf&#252;hlte, da wurde ihr Hunger so gro&#223;, dass sie nicht mehr l&#228;nger warten wollte, zumal das P&#246;kelfleisch, das sie aus ihrem letzten Fang gemacht hatte, gerade zu Ende gegangen war.</p>
<p>&#8222;Gr&#228;tel&#8220;, rief sie dem M&#228;dchen zu. &#8222;Polier diesen Bratspie&#223; dort, morgen wird der H&#228;nsel geschlachtet, ob er dick ist oder nicht!&#8220; Gr&#228;tel fing an, bitterlich zu weinen, denn wie sollte sie ohne ihren Bruder den Videorecorder bedienen?</p>
<p>Fr&#252;hmorgens musste Gr&#228;tel hinaus und den Bratspie&#223; &#252;ber dem kompakten und benutzerfreundlichen Elektro-Grillherd aufh&#228;ngen.<br />
&#8222;Erst wollen wir backen&#8220;, sagte die Alte, &#8222;ich habe den ofenfertigen Pizza-Teig von Mondamin schon geknetet.&#8220; Ihr neuer Siemens-HighTech-Herd w&#252;rde leider erst in einer Woche geliefert werden, und deshalb musste sie sich anders helfen.</p>
<p>Sie stie&#223; die arme Gr&#228;tel zu einer alten Dampflok, in deren Kessel sie schon ein ordentliches Feuer gemacht hatte und befahl ihr: &#8222;Das qualitativ hochwertige Kunstglasthermometer liegt irgendwo auf dem Boden des Kessels. Kriech hinein und sieh nach, ob es schon 550° sind.&#8220; Und wenn Gr&#228;tel drinnen war, wollte sie die Luke schlie&#223;en und Gr&#228;tel in dem Kessel braten. Doch in diesem Augenblick wurde sie von zwei Polizisten aus der Lok gezerrt und verhaftet. H&#228;nsel hatte sich n&#228;mlich an einen Trick aus <em>MacGyver</em> erinnert, mit dem es ihm gelungen war, das Schloss an der T&#252;r zu &#246;ffnen. Als er sah, was die Frau mit Gr&#228;tel vorhatte, hatte er sofort die Bahnhofspolizei alarmiert, denn er dachte sich: &#8222;Wen soll ich in Zukunft erpressen, wenn Gr&#228;tel gebraten und aufgegessen wird?&#8220;</p>
<p>Die Hexe wurde zu 241 Jahren Haft verurteilt, weil sie in den letzten 30 Jahren ihren Fernseher nicht angemeldet hatte. H&#228;nsel und Gr&#228;tel aber schrieben &#252;ber ihre Erlebnisse einen Bestseller und von dem Honorar lebten sie gl&#252;cklich bis an ihr Lebensende, welches sie dank der aufbauenden und verj&#252;ngenden Wirkung von Tetefit-Vitaminkuren lange hinausz&#246;gern konnten.</p>
<p class="center" style="font-size: larger;">ENDE</p>
<div class="infobox">
<div class="infobox_inner">
<h3 id="anmerkungen">Anmerkungen</h3>
<p>Geschrieben: 01. Apr 1997, W&#246;rter: 1.322</p>
<p>Dieses, sowie das <a href="http://johannes-ruthenberg.de/haensel-und-gretel" >vorherige</a> und das n&#228;chste M&#228;rchen entstanden f&#252;r den Deutsch-Unterricht der 10. Klasse. Vorbild war nat&#252;rlich das (fast) gleichnamige M&#228;rchen der Gebr&#252;der Grimm.</p>
<h3 id="copyright">Copyright-Hinweis</h3>
<p>Dieser Text ist mein geistiges Eigentum. Ihr d&#252;rft ihn gerne speichern, ausdrucken und weitergeben, solange immer mein Name und die Adresse dieser Webseite dabeistehen. Bitte ver&#246;ffentlicht den Text jedoch nicht auf anderen Internet-Seiten oder in gedruckter Form ohne mein Einverst&#228;ndnis. Und es leuchtet sicher ein, dass ich keinen Spa&#223; verstehe, wenn ihr den Text als euren eigenen ausgebt.</p>
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                <p style="border-top: 1px solid #999999; padding-top: 1em;"><small>Soweit nicht anders angegeben: &copy; Johannes Ruthenberg. Lesen erwünscht, Zitieren erlaubt, Übernahme des kompletten Textes oder Einbinden des Feeds in andere Webseiten nicht gestattet! Für mehr Infos dazu siehe <a href="http://johannes-ruthenberg.de/infos">http://johannes-ruthenberg.de/infos</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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		<title>H&#228;nsel und Gretel</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Mar 2008 19:41:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JR</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andere Texte]]></category>
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		<category><![CDATA[Märchen]]></category>

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		<description><![CDATA[Modern(isiert)es M&#228;rchen (1997): Mein erster Versuch eines '&#252;berarbeiteten' M&#228;rchens und meine erste Version von "H&#228;nsel und Gretel". Die Geschichte wird aus der Perspektive der 'Hexe' erz&#228;hlt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="infostrip">Modern(isiert)es M&#228;rchen von Johannes Ruthenberg, <a href="#anmerkungen" >Anmerkungen</a> und <a href="#copyright" >Copyright-Hinweise</a> am Ende der Seite</p>
<p>Es war einmal vor langer Zeit eine alte Frau, die lebte ganz allein in einem gro&#223;en Wald in einer windschiefen H&#252;tte. Eines Abends klopfte es an ihrer T&#252;r und ein Mann kam herein. Obwohl sie selber kaum genug zu essen hatte, bewirtete sie den Wanderer und lie&#223; ihn in ihrer H&#252;tte &#252;bernachten. Am n&#228;chsten Morgen war der Gast verschwunden, doch er hatte ihr ein Geschenk dagelassen: Die alte, windschiefe H&#252;tte hatte sich in ein kleines H&#228;uschen aus Lebkuchen verwandelt, und wenn man davon a&#223;, so wuchs der Lebkuchen von selber wieder nach. Die Frau erkannte, dass der Wanderer ein Zauberer war, und sie freute sich sehr, denn jetzt brauchte sie auf ihre alten Tage nicht mehr zu hungern. So lebte sie viele Jahre gl&#252;cklich und zufrieden.</p>
<p>Doch eines Tages, als sie gerade in ihrer K&#252;che sa&#223;, h&#246;rte sie von drau&#223;en Ger&#228;usche. Es klirrte und knackte, als w&#252;rde jemand St&#252;cke von ihrem Haus abbrechen. Die alte Frau rief mit &#228;ngstlicher Stimme:</p>
<p>&#8222;Knusper, knusper, kn&#228;uschen,<br />
wer knuspert an meinem H&#228;uschen?&#8220;</p>
<p>Und von drau&#223;en erscholl die zweistimmige Antwort:</p>
<p>&#8222;Der Wind, der Wind, das himmlische Kind.&#8220;</p>
<p>Nun wagte sich die Alte doch heraus und als sie die T&#252;r aufgemacht hatte, da sah sie zwei Kinder, einen Jungen und ein M&#228;dchen, die an einem abgebrochenen Lebkuchen knabberten.</p>
<p>Als sie die gebrechliche Frau erblickten, wie sie auf ihrer Kr&#252;cke durch die T&#252;r geschlichen kam, erschraken die beiden. Doch die Alte sprach: &#8222;Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.&#8220;</p>
<p>Sie fasste beide an der Hand und f&#252;hrte sie in ihr H&#228;uschen, wo sie sie bewirtete und ihnen gegen Abend zwei Betten zurecht machte.</p>
<p>Die ganze Zeit hatten sich die beiden Kinder sehr freundlich benommen, doch sie hatten sich nur verstellt. In Wirklichkeit waren sie b&#246;se, hinterlistig und faul und hatten mit ihren Streichen die Eltern jahrelang zur Verzweiflung getrieben, bis diese sich nicht mehr anders zu helfen wussten als die Kinder im Wald auszusetzen. Nachdem sie drei Tage durch den Wald gewandert waren, waren sie an das Lebkuchenhaus gekommen. Und weil ihnen dieses wundersame Haus gefiel, beschlossen sie, dort zu bleiben.</p>
<p>Fr&#252;h morgens gingen sie zu der alten Frau, r&#252;ttelten sie wach und riefen: &#8222;Steh auf, Faulenzerin, trag Wasser und koch uns etwas Gutes, denn wir sind hungrig.&#8220; Die alte Frau fing an, bitterlich zu weinen, doch es war alles vergeblich, sie musste tun, was die b&#246;sen Kinder von ihr verlangten. Nun ward den Kindern das beste Essen gekocht, aber die alte Frau bekam nichts als Krebsschalen.</p>
<p>Es waren gerade vier Wochen vergangen, da st&#246;berte H&#228;nsel mal wieder im Haus herum und kam dabei auch in den Keller. Dort aber standen in allen Ecken Kasten mit Perlen und Edelsteinen. Diese hatte der Zauberer der Frau zusammen mit dem Haus geschenkt, sie hatte sich aber nie getraut die steilen Kellertreppen hinunterzusteigen, da sie schon etwas gebrechlich war. So hatte sie niemals von all den Sch&#228;tzen erfahren.</p>
<p>H&#228;nsel erz&#228;hlte sofort Gretel von seiner Entdeckung. &#8222;Von all diesem Reichtum k&#246;nnen wir uns ein ganzes Schloss leisten und wesentlich bessere Diener als diese alte Hexe. Sie ist faul und arbeitet viel zu langsam&#8220;, sprach Gretel, die der vielen Lebkuchen &#252;berdr&#252;ssig geworden war, und gemeinsam beschlossen sie, die Frau aus dem Weg zu r&#228;umen.</p>
<p>&#8222;Heute wollen wir backen&#8220;, sagte Gretel zu der alten Frau am n&#228;chsten Morgen. &#8222;Ich habe den Backofen schon eingeheizt und den Teig geknetet.&#8220;</p>
<p>Die Kinder stie&#223;en die arme Frau hinaus zu dem Backofen, aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen. &#8222;Kriech hinein&#8220;, sagte H&#228;nsel, &#8222;und sieh zu, ob recht eingeheizt ist, damit wir das Brot hineinschieben k&#246;nnen.&#8220; Und als die Alte ihren Kopf in den Ofen steckte, da gab ihr Gretel einen Sto&#223;, dass sie weit hineinfuhr, machte die eiserne T&#252;r zu und schob den Riegel vor. Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich, aber H&#228;nsel und Gretel liefen fort, und die arme Frau musste elendiglich verbrennen.</p>
<p>H&#228;nsel und Gretel aber liefen schnurstracks in den Keller und holten die Sch&#228;tze hervor. Dann steckten sie sich in die Taschen, was hinein wollte, und machten sich auf den Weg in die Stadt, um sich ein Schloss zu kaufen. Unterwegs allerdings mussten beide j&#228;mmerlich ertrinken, weil sie versucht hatten, sich von einer Ente &#252;ber ein Wasser tragen zu lassen.</p>
<p class="center" style="font-size: larger;">ENDE</p>
<p><em>In sp&#228;teren Versionen dieser Geschichte wurden die Ereignisse oftmals haarstr&#228;ubend verf&#228;lscht. Es ist aber einwandfrei bewiesen, dass sich die Geschichte so und nicht anders zugetragen hat.</em></p>
<div class="infobox">
<div class="infobox_inner">
<h3 id="anmerkungen">Anmerkungen</h3>
<p>Geschrieben: 20. Mar 1997, W&#246;rter: 739</p>
<p>Dieses und die <a href="http://johannes-ruthenberg.de/haensel-und-graetel" >beiden</a> <a href="http://johannes-ruthenberg.de/dornroeschen" >folgenden</a> M&#228;rchen entstanden f&#252;r den Deutsch-Unterricht der 10. Klasse. Vorbild war nat&#252;rlich das gleichnamige M&#228;rchen der Gebr&#252;der Grimm.</p>
<h3 id="copyright">Copyright-Hinweis</h3>
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                <p style="border-top: 1px solid #999999; padding-top: 1em;"><small>Soweit nicht anders angegeben: &copy; Johannes Ruthenberg. Lesen erwünscht, Zitieren erlaubt, Übernahme des kompletten Textes oder Einbinden des Feeds in andere Webseiten nicht gestattet! Für mehr Infos dazu siehe <a href="http://johannes-ruthenberg.de/infos">http://johannes-ruthenberg.de/infos</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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