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	<title>Delta Orionis &#187; Richard Morgan</title>
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		<title>Altered Carbon</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 19:42:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JR</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Richard Morgan]]></category>

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		<description><![CDATA[<img src="http://johannes-ruthenberg.de/blog/wp-content/uploads/2010/02/cover_altered_carbon-79x128.jpg" alt="Cover 'Altered Carbon'" title="Cover 'Altered Carbon'" width="79" height="128" class="imgalignleft" />Rezension zu "Altered Carbon" von Richard Morgan, Gollancz London, 2002, ca. 534 Seiten, Ersterscheinung: 2002 (UK)

Im 26. Jahrhundert: Die Menschheit hat sich &#252;ber viele Planeten verteilt, mehr oder weniger freiwillig regiert von den Vereinten Nationen auf der Erde. Diese fragmentierte Menschheit wurde von einer bahnbrechenden Erfindung grundlegend ver&#228;ndert: Seit l&#228;ngerer Zeit l&#228;sst sich das Bewusstsein eines Menschen vom K&#246;rper trennen, speichern, &#252;bertragen und in einen beliebigen neuen K&#246;rper wieder einspielen. Diese Erfindung macht physische Reisen durchs All &#252;berfl&#252;ssig, genauso wie Gef&#228;ngnisse. Vor allem aber macht sie die Menschen potentiell unsterblich, denn jeder Mensch tr&#228;gt einen kortikalen Speicher im R&#252;ckenmark, der sein Bewusstsein abspeichert und reproduzierbar macht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://johannes-ruthenberg.de/blog/wp-content/uploads/2010/02/cover_altered_carbon.jpg" alt="Cover 'Altered Carbon'" title="Cover 'Altered Carbon'" width="200" height="321" class="imgalignleft" />Rezension zu &#8222;Altered Carbon&#8220; von Richard Morgan, Gollancz London, 2002, ca. 534 Seiten, Ersterscheinung: 2001 (UK)</p>
<p>Deutsche Ausgabe: &#8222;Das Unsterblichkeitsprogrammm&#8220;, Wilhelm Heyne Verlag, 2004, 606 Seiten</p>
<h3>Inhalt</h3>
<p>Im 26. Jahrhundert: Die Menschheit hat sich &#252;ber viele Planeten verteilt, mehr oder weniger freiwillig regiert von den Vereinten Nationen auf der Erde. Diese fragmentierte Menschheit wurde von einer bahnbrechenden Erfindung grundlegend ver&#228;ndert: Seit l&#228;ngerer Zeit l&#228;sst sich das Bewusstsein eines Menschen vom K&#246;rper trennen, speichern, &#252;bertragen und in einen beliebigen neuen K&#246;rper wieder einspielen. Diese Erfindung macht physische Reisen durchs All &#252;berfl&#252;ssig, genauso wie Gef&#228;ngnisse. Vor allem aber macht sie die Menschen potentiell unsterblich, denn jeder Mensch tr&#228;gt einen kortikalen Speicher im R&#252;ckenmark, der sein Bewusstsein abspeichert und reproduzierbar macht.</p>
<p>Takeshi Kovacs diente einst im Envoy Corps der UN, einer gef&#252;rchteten Spezialeinheit. Doch seit seiner Entlassung hat er sich des &#246;fteren auf der falschen Seite des Gesetzes wiedergefunden, was mit seinem Tod und der anschlie&#223;enden Verurteilung auf seinem Heimatplaneten Harlan&#8217;s World endete. Nun erwacht er unerwarteterweise auf der Erde, in einem neuen K&#246;rper. Der einflussreiche Industrielle Laurens Bancroft hat seine vor&#252;bergehende Entlassung aus dem virtuellen Gef&#228;ngnis bewirkt, um ihm bei der Aufkl&#228;rung eines Mordfalles zu helfen. Der Tote: Bancroft selbst. Nach der Wiederherstellung des letzten Backups weigert sich Bancroft, die These der Polizei zu glauben, dass er Selbstmord begangen haben soll&#8230;</p>
<h3>Bewertung</h3>
<p>Wow, was f&#252;r ein Buch! An der umfangreichen Inhaltsangabe sieht man schon, dass dies keine einfache Story ist und keine einfache Welt. Und ich muss sagen, h&#228;tte ich das Buch im Laden in die Finger bekommen, h&#228;tte ich es sicher nicht gekauft. Das Cover ist nichtssagend (wenn auch glitzernd) und statt einer Inhaltsangabe enth&#228;lt das Backcover nur Kritikerzitate. Aber monatelange und beharrliche Empfehlungen in der Cardiffer <a href="http://saucers-and-dragons.co.uk/" class="liexternal">Reading Group</a> haben mich dann doch bewogen, Richard Morgans Erstlingswerk zu lesen, und ich bin begeistert. Seit l&#228;ngerem habe ich nicht mehr einen Roman gelesen, der mit so viel K&#246;nnen geschrieben ist und dabei so spannend, unterhaltsam und ideenreich ist. </p>
<p>&#8222;Altered Carbon&#8220; ist die Einf&#252;hrung in eine neue Welt, in der mittlerweile zwei weitere B&#252;cher von Richard Morgan spielen. Die Welt, die der Autor entwirft, ist komplex und auf den ersten Blick verwirrend. Man muss das auf den ersten 20, 30 Seiten einfach ignorieren und weiterlesen, dann ergibt alles sehr schnell einen Sinn. Stilistisch ist der Roman eine Mischung aus einer klassischen Detektivgeschichte und einer SF-Dystopie. Der Autor meint zur Entstehung des Buches auf seiner Webseite:</p>
<blockquote><p>Fuelled by every crime noir novel I&#8216;d ever read, plus swabs of French and Japanese cinema, the work of William Gibson and M John Harrison, early Poul Anderson and Bob Shaw, and last but not least the colossal impact of Bladerunner, this was my take on future noir. Fast forward to middle of the new millennium, and down where it counts, nothing has changed, because neither have we. Enter Takeshi Kovacs.</p></blockquote>
<p>Morgan h&#228;lt sich im &#252;brigen nicht mit technischen Details auf. Wie der Bewusstseinstransfer oder die Cortical Stacks technisch und physikalisch funktionieren, interessiert im Rahmen des Romans nicht. Was das f&#252;r Auswirkungen auf die Gesellschaft hat, schon viel eher. In dieser Hinsicht stecken ohne Ende spannende Ideen in dem Buch, und Morgan entwirft ein in sich stimmiges wenn auch gruseliges Bild einer zuk&#252;nftigen Gesellschaft. Ein Gef&#228;ngnisurteil ist hier z.B. gleichzusetzen mit dem Verlust des eigenen K&#246;rpers, es sei denn man kann die Miete f&#252;r die Lagerung bezahlen. Andernfalls findet man sich nach seiner Entlassung m&#246;glicherweise in einem K&#246;rper mit anderer Hautfarbe wieder und sieht seinen eigenen K&#246;rper im Fernsehen von Fremden aufgetragen. Wobei der Autor da auch nicht wirklich eine moralische Wertung in die Geschichte mischt, die muss sich der Leser selber &#252;berlegen.</p>
<p>Der Dreh- und Angelpunkt des Buches ist Takeshi Kovacs, aus dessen Ich-Perspektive das Buch erz&#228;hlt wird. Das ist insofern praktisch als Kovacs noch nie auf der Erde war. An viele Eigenheiten des &#228;ltesten von Menschen besiedelten Planeten werden wir also aus der Sicht eines Au&#223;enseiters herangef&#252;hrt (Katholiken etwa, die nicht an die M&#246;glichkeit des Transfers einer Seele glauben und denen deswegen der Weg zu anderen Planeten verschlossen ist). Andere Facetten dieser Welt lernen wir aus Kovacs Erinnerungen besser kennen, etwa das Envoy Corps. Das Corps und dessen Konditionierung machen aus Kovacs auch aus dieser Sicht einen Au&#223;enseiter. Was physische Verbesserungen betrifft, muss Kovacs nehmen, was sein jeweiliger K&#246;rper zu bieten hat. Psychisch wurde er auf Extreme getrimmt: Reflexe, Auffassungsgabe und Schmerzresistenz wurden gesteigert, jegliche Hemmungen gegen&#252;ber Gewaltanwendung wurden vom Corps wegkonditioniert.</p>
<p>Diese komplexe, d&#252;stere Science-Fiction-Welt stellt die B&#252;hne eines Detektiv-Plots dar. Die Geschichte ist durchaus klassisch und enth&#228;lt viele bekannte Zutaten: Der einzelg&#228;ngerische Detektiv, der tote Industrielle, seine junge Ehefrau, Aff&#228;ren, die unkooperative Polizistin, der korrupte Partner der Polizistin&#8230; Doch durch die einzigartige Welt, in der die Geschichte spielt, erhalten alle diese Teile eine ganz neue faszinierende Position im Puzzle. Das Mordopfer ist hier gleichzeitig der noch sehr lebendige Auftraggeber, die junge Ehefrau ist genauso viele Jahrhunderte alt wie ihr Mann und der beste Verb&#252;ndete Kovacs&#8216; ist die KI seines vollautomatisierten Hotels.</p>
<p>Morgans Schreibstil ist fl&#252;ssig und spannungsgeladen. Man mag das Buch nicht weglegen, weil man doch immer wissen m&#246;chte, wie es mit der Geschichte und den Charakteren weitergeht. Wenn man erst einmal in dieser Welt angekommen ist, &#252;berfordert der Autor auch nicht mit Details, fand ich, man muss sich nur durch die ersten 30 Seiten erstmal lesen. Alle par Seiten kommt zudem ein herrlicher, sarkastischer Humor in Redewendungen etc. durch, der zum gut lesbaren Schreibstil mit beitr&#228;gt. Inhaltlich hat die Geschichte viele d&#252;stere Facetten. Kovacs bekommt nichts geschenkt und so ergeht es auch seinen Gegnern. Sex, Gewalt, Folter &#8211; Richard Morgan ist nicht gerade zimperlich, ohne dass das ausarten w&#252;rde.</p>
<p>Wenn er sich mit Technobabble auch nicht aufh&#228;lt, so entwirft Morgan doch ein glaubw&#252;rdiges Bild einer technisierten zuk&#252;nftigen Welt. Cortical Stacks, Hovercars, virtuelle Realit&#228;ten und k&#252;nstliche Intelligenzen bilden einen integralen Bestandteil dieser Welt, und sie sind f&#252;r Kovacs so selbstverst&#228;ndlich wie f&#252;r uns ein Auto oder ein Computer, so dass einfach kein Grund f&#252;r tiefergehende Erkl&#228;rungen besteht.</p>
<p>Die Austauschbarkeit der K&#246;rper macht es durchaus schwierig, Takeshi Kovacs als Charakter zu fassen. Alle &#196;u&#223;erlichkeiten fallen schlicht weg, denn nach 130 Jahren objektiver Lebenszeit (davon wer wei&#223; wie viele Jahre in virtuellen Gef&#228;ngnissen) ist seine Jugend in seinem Originalk&#246;rper nur noch eine entfernte Erinnerung. Der Charakter definiert sich dann auch mehr &#252;ber seine Herkunft und seine F&#228;higkeiten, erst so nach und nach bekommt man ein besseres Gef&#252;hl, wer Takeshi Kovacs ist.</p>
<p>Am Anfang der Geschichte ist Kovacs noch recht unbeteiligt. Seine Erinnerungen kehren immer wieder zu den Kriegseins&#228;tzen zur&#252;ck, die er &#252;berlebt hat. Sein gegenw&#228;rtiger Auftrag bedeutet ihm nicht viel mehr als die Chance auf eine vorzeitige Entlassung mit einem guten Finanzpolster. Doch das R&#228;tsel um den Tod Bancrofts wird schon schnell pers&#246;nlich f&#252;r Kovacs, und schlie&#223;lich macht er sich daran, den Fall pers&#246;nlich machen. Die immer wieder eingestreuten Zitate der Revolution&#228;rin Quellcrist Falconer von Kovacs Heimatplanet fassen denn auch seinen Charakter mit am besten zusammen:</p>
<blockquote><p>
So if some idiot politician, some power player, tries to execute policies that harm you or those you care about, TAKE IT PERSONALLY. Get angry. [&#8230;] If you want justice, you will have to claw it from them. Make it PERSONAL. Do as much damage as you can. GET YOUR MESSAGE ACROSS. That way, you stand a better chance of being taken seriously next time. [&#8230;] And time and again they cream your liquidation, your displacement, your torture and brutal execution with the ultimate insult that it&#8217;s just business, it&#8217;s politics, it&#8217;s the way of the world, it&#8217;s a tough life and that IT&#8216;S NOTHING PERSONAL. Well, fuck them. Make it personal.</p></blockquote>
<p>&#8222;Altered Carbon&#8220; gewann 2003 den &#8222;Philip K. Dick Award&#8220; f&#252;r den besten Roman.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Spannend, innovativ, unterhaltsam und fesselnd geschrieben. Und fast das wichtigste: Der Roman bricht nicht wie so viele andere B&#252;cher nach Zweidritteln in sich zusammen. Richard Morgan kreiert eine glaubw&#252;rdige Welt, mit nachvollziehbaren Charakteren und einer soliden Story. Eine absolut gelungene Mischung aus Science-Fiction und einem d&#252;steren Detektivroman.</p>
<p>Standard-Disclaimer: Ich habe keine Ahnung, ob die deutsche &#220;bersetzung etwas taugt. Da Richard Morgans Sprache oder Schreibstil nicht wirklich spezielle Eigenheiten aufweisen, w&#252;rde ich aber annehmen, dass es zumindest m&#246;glich ist, das Buch ad&#228;quat zu &#252;bersetzen.</p>
<h3>Links</h3>
<p><a href="http://www.richardkmorgan.com/" class="liexternal">Webseite des Autors</a></p>
                <p style="border-top: 1px solid #999999; padding-top: 1em;"><small>Soweit nicht anders angegeben: &copy; Johannes Ruthenberg. Lesen erwünscht, Zitieren erlaubt, Übernahme des kompletten Textes oder Einbinden des Feeds in andere Webseiten nicht gestattet! Für mehr Infos dazu siehe <a href="http://johannes-ruthenberg.de/infos">http://johannes-ruthenberg.de/infos</a>.</small></p>]]></content:encoded>
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